Lausanne
Temple de Saint-Luc
Objektdaten
Konfession | Evangelisch-reformiert
Bautypus | Kirche
Baujahr | 1938 – 1940
Architekt:in | Lavenex, Paul ; Béboux, Eugène
Ort, Kanton | Lausanne, VD
Strasse | Rue de la Pontaise 33
GPS | 46.530761, 6.629405
Google Maps | Swisstopo
Umnutzung
Umnutzungsjahr | 2007/2013
Eigentumsverhältnisse | Rückgabe
Baumassnahmen | Umbau
Nutzungsform | Fremdnutzung
Nutzungsart | Soziales
Kurzinformation | Die Kirche wurde der Stadt Lausanne zurückgegeben, die sie als Quartierzentrum nutzt.
Weitere Informationen | siehe unten
Informationsstand
Eintrag erstellt | 2015/08
Eintrag zuletzt aktualisiert | 2017/08
Weitere Informationen
Seit 2013 heisst der reformierte «Temple de Saint-Luc» in Lausanne «Maison de Quartier de la Pontaise». Der Ort dient heute als Quartiertreffpunkt. Ein Verein organisiert Angebote für Kinder, Jugendliche und Erwachsene. Die Räume können ausserdem für Privatanlässe gemietet werden.
Kirche
Die Kirche wurde zwischen 1938 und 1939 von den Architekten Eugène Béboux und Paul Lavenez gebaut. Von 1940 bis 2010 diente sie als reformierte Kirche der Paroisse de St-Laurent/Pontaise bzw. der Paroisse de Saint-Luc. Der Bau ist mit seiner schlichten und gleichzeitig monumentalen Architektur ein typischer Vertreter des Kirchenbaus der Zwischenkriegszeit. Dem Kirchensaal ist ein gedrungener Glockenturm vorgelagert, mit eingezogenem Glockenstuhl und einem massiven Kreuz. Der Bau ist doppelgeschossig. Im Erdgeschoss befindet sich der Gemeindesaal, im Obergeschoss der Gottesdienstraum, der über eine monumentale Treppe erreicht wird. Im Glockenturm befinden sich die Treppen zur Empore. Die Skulptur des geflügelten Stiers vor dem Treppenaufgang schuf der Bildhauer Edouard Sandoz im Jahr 1948. Das Gebäude steht seit 1999 unter regionalem Schutz. Der Innenraum der Kirche wies ursprünglich eine farbige Bemalung auf, die anlässlich einer Renovation von 1964/65 durch eine hellgraue Farbgebung ersetzt wurde. Dafür wurden die Fenster des Kirchenraumes mit bunten Gläsern in den Regenbogenfarben versehen.
Renovation und Umbau
Im Auftrag der «Direction enfance, jeunesse et éducation» organisierte der «Service d’architecture» 2007 einen offenen Wettbewerb für die Renovation der Kirche und deren Neunutzung als Maison de quartier. Den Wettbewerb, an dem sich 21 Büros beteiligten, gewann das Projekt von Deillon Delley Architectes aus Bulle. Realisiert wurde der Umbau von 2011 bis 2013. Die Kosten für die Renovation und den Umbau beliefen sich auf 10 Mio. Franken. Das Kirchengebäude wurde sowohl innen wie aussen in seinen ursprünglichen Dimensionen belassen. Einzig im Bereich der Empore erhielt der Saal einen Einbau in Form eines geschlossenen, mittels einer Fensterfront optisch zum Kirchenraum hin geöffneten Raumes. Zwischen Kirche und Brandmauer des benachbarten Gebäudes fügten die Architekten einen Neubau ein, der im Erdgeschoss ein Kaffee beherbergt, in den oberen Geschossen einen Musiksaal und Büros. Von hier aus gibt es auch Zugänge zum Saal der Kirche, den darunter liegenden Räume, zur Empore, die zum Tanzsaal umgebaut ist, sowie zu Spielzimmern. Der Haupteingang befindet sich im Neubau, Erd- und Hauptgeschoss der alten Kirche sind aber auch über die ursprünglichen Eingänge erschlossen. Anlässlich der Renovation wurden die Farbfenster in der Kirche ausgebaut. Stattdessen erhielt der Saal eine neue künstlerische Ausstattung mit 24 über die Wände verteilten monochromen Farbtafeln des Künstlers Francis Baudevin. Die Einzeltafeln bilden zusammen ein grosses Gemälde, eine Anspielung auf die ursprüngliche farbige Ausmalung der Kirche.
Neunutzung
Das Quartierzentrum (www.lapontaise.ch) steht unter der Obhut der «Fondation pour l’Animation Socioculturelle Lausannoise (FASL)», die ihrerseits von der Stadt Lausanne subventioniert wird. Das Haus ist ein Ort der Begegnung mit vielfältigen Angeboten für Kinder, Jugendliche und Erwachsene in den benachbarten Quartieren. Das Zentrum hat eine soziale und kulturelle Ausrichtung. Es organisiert selber soziokulturelle Anlässe und unterstützt Personen, die mit eigenen Projekten sich für das Gemeinleben engagieren möchten.
Stimmen
- «Das gesellschaftliche Leben dreht sich nicht mehr ausschließlich um religiöse Aktivitäten. Die Umwandlung dieses Gebäudes in ein Nachbarschaftszentrum stieß bei allen Beteiligten auf positive Resonanz und wird auch weiterhin als Ort der Begegnung dienen.» (Oscar Tosato, Stadtrat, zuständig für Kinder- und Jugendangelegenheiten)
- «Auf der Suche nach einer neuen Identität für dieses Denkmal der Vergangenheit haben die politischen Entscheidungsträger von Lausanne den mutigen Schritt gewagt, es in ein Quartierzentrum umzuwandeln und einen Ort, an dem man mit Gott in Verbindung tritt, in einen Ort zu verwandeln, an dem man mit den Menschen in Verbindung tritt.» (Pierre-Alain Verheyen, Direktor der FASL)
- «Die geduldige Arbeit des Architekten hat es geschafft, eine neue Nutzung in die bestehende Architektur einzufügen. Dem Künstler ist es gelungen, das Erbe der Farbe in ein neu erfundenes Haus zu übertragen. So bieten sie den zukünftigen Bewohnern einen Ort der Erinnerung und der Kreativität, der von den sinnlichen Aspekten dieses bemerkenswerten Kulturerbes zeugt.» (Laurent Chenu, kantonaler Denkmalpfleger)
